Der 7. November ist einer jener Tage an denen es meistens schon etwas kühler ist, der morgens mit dem erfreulichen Konzert der Krähen beginnt und meistens die trübe Laune die man in diesem Monat sowieso schon hat eher noch senkt. Wobei konkret die Krähen stören mich gar nicht so, ich finde diese Tiere irgendwie sympathisch. Allerdings sind sie nun nicht mehr eine ausgesprochene Wintererscheinung, denn sie machen sich ja kaum noch Mühe im Sommer nach dem Norden zu fliegen. Aber es gab Zeiten da haben sie diesen Weg auf sich genommen, sie flogen mit Frühlingsbeginn in den Norden und zwar oftmals nach Sibirien. Und damit sind wir wieder beim Thema, denn gerade dieses Sibirien spielte im Zusammenhang mit dem 7. November keine kleine Rolle.

An diesem Tag hat sich eine kleine Gruppe Matrosen daran gemacht, eine entscheidende Veränderung einzuleiten und den Versuch zu unternehmen, tatsächlich etwas zu ändern. Den Versuch gemacht, Geschichte in eine neue Richtung zu lenken, in dem die Menschen selber die bestimmenden Kräfte sind, nicht die Zaren, nicht die Popen, nicht die Kapitalisten, sondern jeder. Bevor es hier jetzt zu schwulstisch marxistisch-leninistisch wird muss man gleich darauf hinweisen, dass dieser Versuch gescheitert ist. Mit Karl Marx hatte das ganze sowieso nur sehr peripher etwas zu tun und auch Lenin wäre von seinem eigenen Werk schon 10 Jahre später nicht sonderlich begeistert gewesen, aber man konnte es doch einmal versuchen und das ist auch der Verdienst der Oktoberrevolutionäre, es einfach zu versuchen. Wir machen das jetzt! Jahrtausende haben wir uns damit abgefunden, dass Menschen unterdrückt werden, heute nicht mehr. Heute machen wir es anders! Heute scheißen wir aufs Krieg führen, nur weil die Führung zu feig ist, zu sagen, ohne uns, heute holen wir uns die Landreform und die Fabriken, wenn die Führung zu blöd ist, in diesem Bereich endlich Versprochenes zu halten. Und nur diesen Versuch den muss man anerkennen. Natürlich sind die Praktiken, die von den Bolschewiki angewendet wurden alles andere als human und wenn man heute an eine politische Wende oder Revolution denkt, dann bitte ohne Roten Terror und ohne Bürgerkrieg. Und es ist Lenin dafür auch zu kritisieren, keine Frage.

Nur wie sah seine Alternative aus? Blutige Niederschlagung, wie es der Pariser Kommune 1871 passiert war, weil sie eben selber zögerten.  Oder ermordet werden wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Zugegeben beide sind Märtyrer und ihnen kann man nun wirklich nichts anlasten, was in Richtung roter Terror ginge, aber die Bolschewiken wollten eben keine gescheiterten Revolutionäre sein und Erfolg kommt eben teilweise nur mit Skrupellosigkeit, auch wenn es das Ziel der Kommunisten war und ist eben so eine Welt zu beenden, die auf Skrupellosigkeit aufbaut. Das ist eben das Grunddrama einer Revolution, man muss oft genau die Methoden anwenden, die man bekämpfen will. Und dann kommt schon das zweite Drama, die Ideale verflüchtigen sich geschwind, die Skrupellosen bleiben. Und wenn dann nicht einmal mehr die da sind, dann hast du ein System wie die Sowjetunion, dass letztlich in einem schwachen Moment wieder untergeht.

Und die angeblich Befreiten müssen erst wieder warten. Aber die Hoffnung ist geblieben. Vielleicht nur für ein paar unverbesserliche Spinner, aber immerhin. Und genau das war damals der rote Oktober im November. Die Hoffnung der Ausgebeuteten, der Idealisten, der Emanzipierten, etc. weltweit, dass es zu schaffen sei. Eine Welt ohne Ausbeutung. Dass die Praxis anders ausgesehen hat ist klar, aber diese Hoffnung ist etwas absolut vertretbares und die muss man den Menschen, die mit Hoffnung auf die Oktoberrevolution schauen auch zugestehen.