Eine der großartigsten Ideen unserer Medienverantwortlichen waren ja die Sommergespräche, in denen Künstlerinnen und Künstler, führende Politikerinnen und Politiker interviewen durften, um sie mit beinharten Fragen vor der Öffentlichkeit zu entzaubern. Und geleitet wurde das ganze von der kompetenstesten Moderatorin, die es in österreichs Medienlandschaft gibt, Frau Turnherr, die sich durch ihr übermächtiges „meine Herren, meine Herren… bitte…“ bereits einen Namen gemacht hat. Trotzdem schien sich die Begeisterung in Grenzen zu halten. Ein Vorschlag meinerseits, man hat die falschen Künstlerinnen und Künstler genommen. Alles wäre doch ganz anders gekommen, wenn man den richtigen Künstler genommen hätte:

Politik kann bedeuten, dass Millionen Menschen, die sich vier Jahre lang über einen Regierungschef aufregen, ihn dann doch brav wiederwählen.

 

Ich hätt mir das nie gedacht, aber wenn die Regierung so weiter macht, dann kann man tatsächlich bald von der „Goldenen Ära Schüssel“ reden.

 

Für den Strache ist Politik ein Paintballspiel, also so viele Gegner wie möglich an patzen, damit man den eigenen Dreck nicht sieht.

 

Wenn man den Wahlkampf betrachtet, dann fällt einem sofort auf, wie sozial auf einmal alles geworden ist, jede Partei entdeckt ihre soziale Ader, jede Partei kümmert sich um die Armen, soziale Wärme und Güte liegt in der Luft. Und nicht nur im Wahlkampf sieht man die soziale Wärme, die Liebe zu den Armen, die Unterstützung der Hilfsbedürftigen, überall auf der Welt herrscht der pure Altruismus, Bill Gates, zur reichen Spitze der Welt gehörend, nützt sein Geld nur mehr für Wohltätige Zwecke, alle meine reichen Freunde, die ich habe – so viele sind das ja nun leider nicht, aber es gibt sie – tun alles für die Armen, was sie können.

Dieser Text entstand vor 5 Jahren. Er ist heute aktueller denn je, auch wenn sich ein paar handelnde Akteure geändert haben.

 

1922 schrieb Hugo Bettauer einen satirischen Roman mit dem Titel „Die Stadt ohne Juden“, in welchem die Ausweisung der jüdischen Bevölkerung durch einen Beschluss eines christlichsozialen Bundeskanzlers beschrieben wird. Heute, nach fast 90 Jahren, ist das Buch so aktuell wie nie. Die Juden sind es vorläufig nicht, die ausgewiesen werden, da wartet man doch auf „bessere“ Zeiten, bis das wieder salonfähig wird. Aber das Ausweisen von Menschen ist mittlerweile durchaus eine gängige Praxis, allerdings wird es heute mit dem Wort „Abschieben“ bezeichnet. Daher ist Bettauers Geschichte aktuell wie nie zuvor und bedarf nur kleiner Umänderungen. Während der erste Teil ein sehr realistisches Szenario darstellt, erlaube ich mir im 2. Teil, wie einst Bettauer in seinem Roman, ein wenig zu träumen. Imaginieren wir daher folgende Situation: