Ja, es ist wieder soweit. Nationalratswahlen stehen vor der Tür und da muss man sich ein wenig orientieren, was die Parteien so können, die man da vielleicht wählen soll. Und aus diesem Grund werde ich bis zur Wahl hier alle vorstellen.

In diesem Teil widmen wir uns einem besonderen Phänomen, der Kommunistischen Partei Österreichs. Immer wieder mit der Frage konfrontiert: „Wos, eich gibt’s a no?“ hält sie, eine der ältesten Parteien Österreichs, tapfer stand und trotzt allen Widrigkeiten sowie der Ankunft in der Realität.

Geschichte

Die KPÖ entstand 1918 als drittälteste Kommunistische Partei der Welt (nach Russland und Finnland.) Da die Sozialdemokratie sich aber in Österreich besonders revolutionär präsentierte gelang es der jungen KPÖ nicht, eine nennenswerte Anzahl an Anhängern zu gewinnen. Trotzdem versuchten sie die Revolution, die naturgemäß kläglich scheiterte. Danach blieb die KPÖ klein und bedeutungslos, ein Zustand, an den sie sich mittlerweile wohl schon gewöhnt hat. Dennoch gab es zwischendurch eine mehr oder weniger erfolgreiche Phase. 1933 wurde die KPÖ auf Anordnung der Dollfuß-Regierung verboten. Sowohl gegen die Austrofaschisten als auch gegen die Nazis leistete sie erbitterten Widerstand. Hier hatte sie tatsächlich eine heroische Hochphase, in der namhafte Menschen für die Partei Freiheit und Leben riskierten, um ein barbarisches System zu stürzen und eine bessere Welt zu errichten. Viele bezahlten diesen Mut im KZ oder in der Gestapohaft mit ihrem Leben, darunter auch der Dichter Jura Soyfer. Als 1945 das Naziregime zusammenbrach, hoffte die KPÖ auf ihre große Stunde und beteiligte sich an der Errichtung einer neuen Republik. An der provisorischen Regierung war sie immerhin mit Vizekanzler Johann Koplenig, Innenminister Franz Honner und Unterrichtsminister Ernst Fischer beteiligt. Mit ihrer besonderen Vorliebe für die sowjetische Besatzungsmacht machte sich die KPÖ wahnsinnig beliebt und erhielt bei den Nationalratswahlen daher auch sensationelle 5,4% und 4 Mandate. Obwohl das für KPÖ-Verhältnisse ein Rekordergebnis war, herrschte schwere Enttäuschung und um zu zeigen, wie sehr man aus den eigenen Fehlern lernte, lehnte man sich noch mehr an die Sowjetunion und Josef Stalin an. Nach den Wahlen stellte sie nur mehr den Energieminister Karl Altmann, der 1947 aus der Regierung ausschied. Danach konnte sich die KPÖ noch bis 1959 als Oppositionspartei im Parlament halten, bevor sie mit 3,7% am Wiedereinzug scheiterte. Ihrer Liebe zur Sowjetunion tat das keinen Abbruch, obwohl sie nach Chruschtschows Aufräumen mit der Stalinära auch der Meinung war, dass vielleicht nicht alles besser war, als Josef Stalin noch Parteichef in Russland war. 1968 wagten Vorstandsmitglieder der KPÖ erstmals Kritik am Vorgehen der Sowjetunion, weil sowjetische Panzer im sozialistischen Prag einrollten, da die tschechoslowakische KP den Versuch gestaltet hatte, den Sozialismus progressiver zu machen. Doch auch da setzten sich die Hardliner durch und schon bald war die KPÖ wieder auf Kurs und verurteilte nun statt den Einmarsch der russischen Truppen in Prag den „Prager Frühling.“ Als danach die Wahlergebnisse noch mehr in den Keller rasselten, gab man den Reformkommunisten, die eine kritische Einstellung hatten, die Schuld und warf sie aus der Partei. Danach grundelte diese nur mehr so bei ca. 1% herum. Neben ein paar gelungenen Aktionen und einem jedes Jahr stattfindenden Volksstimmefest, bei dem auch namhafte Künstler ihre Karriere begannen, wurde sie kaum mehr wahrgenommen. Die Altlinken wählten lieber weiter die SPÖ und die Neulinken wendeten sich den Grünen zu. Als die Sowjetunion zusammenbrach, stand die KPÖ unter Schock. Nun versuchte sie sich kritisch mit der SU auseinanderzusetzen und ihre Vergangenheit auch mal auf Fehler zu beleuchten. Leider interessierte das niemand mehr. Die Hardliner waren wieder schwer beleidigt und verließen die KPÖ schließlich, um eine eigene Partei zu gründen, die aus humorlosen Alt- und Junghardlinern besteht. Dort veranstaltet man Stalinkulte und ein Haufen Studenten erklärt, das Problem der KPÖ sei, dass dort zu wenig Arbeiter sind. Die KPÖ selber versucht nun einen modernen pluralistischen Kurs zu finden, was gar nicht so leicht ist. Der neueste Versuch ist die Zusammenarbeit mit den Jungen Grünen, die mittlerweile erkannt haben, dass die alten Grünen nicht dazu beitragen werden, dass die Welt besser wird, und die deshalb die Kooperation mit einer zugegeben idealistischen Kleinstpartei versuchen. Wie erfolgreich das ist, wird sich zeigen.

Nur in der Steiermark gibt es Erfolge, man sitzt dort sogar wieder im Landtag, weil man sich um die Probleme der Wähler kümmert, statt sich in ideeller Selbstverwirklichung zu ergehen.

Inhaltliches Profil

Bis 1996 war das inhaltliche Profil klar definiert: „In der Sowjetunion ist alles besser.“ Dann war der Riesenschock da: „Scheiße, die Sowjetunion existiert ja seit 5 Jahren nicht mehr.“ Daraufhin erfolgte eine Umstellung auf ein pluralistisches linkes Konzept, das vorsieht, alle sollen alles kriegen und überhaupt soll alles super sein und zahlen sollen das die Reichen. Wie sich das ausgehen soll, fragt man lieber nicht, wenn man nicht das Adjektiv „neoliberal“ an den Kopf geknallt haben will, welches das früher gängige: „Revisionist“ oder „Bourgeois“ ersetzt hat.

 

Die größten Persönlichkeiten

Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir Iljitsch Lenin, Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Clara Zetkin, Josef Stalin (nicht mehr seit den Neunzigern), Mao Tse Tung (nicht mehr seit den Sechzigern), Leo Davidowitsch Trotzki (nicht mehr seit den Dreißigern), Ernest Kaltenegger. Seit neustem ist auch die Junge Grüne Flora Petrik dabei.

Das typische Basismitglied

Das typische Basismitglied der KPÖ ist 76, Pensionist, hat den Schock nicht überwunden, dass die Sowjetunion doch nicht das Arbeiterparadies war und jetzt nicht mehr existiert, und wurde zuletzt schwer betrunken im Cafe 7Stern gesehen.