Ja, es ist wieder soweit. Nationalratswahlen stehen vor der Tür und da muss man sich ein wenig orientieren, was die Parteien so können, die man da vielleicht wählen soll. Und aus diesem Grund werde ich bis zur Wahl hier alle vorstellen.

Seit der letzten Wahl sitzt auch wieder eine liberale Partei im Parlament, die sich über die hohe Parteienfinanzierung und die noch höheren Politikergehälter empört, die aber bisher weder das eine noch das andere abgelehnt hat.

Geschichte

Die Geschichte des Liberalismus in Österreich ist nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte. In der Kaiserzeit waren sich die Liberalen nicht einig, ob sie jetzt zum Kaiserreich oder zu den Volksmassen gehörten: Damit haben sie gleich einmal dafür gesorgt, dass sie keiner mag, die konservative Elite  sah in ihnen Revolutionäre und Unruhestifter, die Leute aus dem gemeinen Volk wieder einen Teil der Elite. Bis auf ein paar eher unpolitische Bürgerliche hatten die Liberalen daher keine Anhänger, weshalb sie in der 1. Republik zur Splittergruppe verkamen, die bald in der Bedeutungslosigkeit versank.

In der 2. Republik kamen sie zunächst im deutschnationalen Lager unter, also im VdU, und später in der FPÖ. Steger versuchte sogar in den 80ern kurz, die FPÖ liberal zu machen, aber 1986 wurde er von Haider gestürzt. Steger hat sich von dem Schock bis heute nicht erholt, deshalb glaubt er noch immer, dass die FPÖ eine liberale Partei ist, aber da ist er der einzige. Die restlichen Liberalen versuchten es 1993 mit einer eigenen Partei dem Liberalen Forum. Wenn man diese Partei oberflächlich betrachtete, konnte man allzu viele Ähnlichkeiten zu den Grünen feststellen, und wenn man dann etwas genauer hinschaute, kam man drauf, dass die Liberalen etwas stylischer gekleidet waren, aber sonst gab es da nicht wirklich einen Unterschied. Political Correctness, Drogenlegalisierung und intellektuelle Überheblichkeit konnte man nun wirklich bei den Grünen auch haben und als die dann auch lernten sich anzuziehen, war das Liberale Forum eher überflüssig. Seit 1999 sind sie nicht mehr im Parlament und Heide Schmidt, die geläuterte Blaue, hat sich zurückgezogen. Sie hat es dann 2008 noch einmal probiert, aber noch immer konnte man den Unterschied zwischen LIF und Grün nicht erkennen und so scheiterte das LIF wieder einmal. Vielleicht war es keine gute Idee, den Wahlausgang am Badeschiff abzuwarten, da war es doch vorhersehbar, dass das LIF baden gehen würde. Nach dem Scheitern versuchte das LIF neue Bündnispartner zu finden. Da boten sich die Jungen Liberalen an. Ursprünglich waren sie als Liberales Studentenforum Teil des LIF, aber 2009 wurden sie unabhängig und kandidierten als JULIS bei der EU-Wahl. Ihre junge dynamische Unternehmerkraft überzeugte 0,77% und sie schafften erfolgreich den Einzug ins Europaparlament nicht. Aber bei den Wahlen zur Hochschülerschaftsvertretung waren sie doch relativ erfolgreich und wie wir wissen, ist ja die ÖH mit ihrer Wahlbeteiligung von ca. 30% ein genaues Spiegelbild der politischen Situation. Dazu kamen dann noch die NEOS, eine neue Partei, gegründet von einem Ex-ÖVPler und einem jungen Religionskritiker, der ein Spagettimonster erfunden hat, um die etablierten Religionen zu ärgern, und der ein Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien gestartet hat, das zum erfolglosesten Volksbegehren Österreichs wurde. Diese NEOS schluckten sowohl JULIS als auch LIF und zogen 2013 tatsächlich im Nationalrat ein, wo sie einige großartige Ideen verfochten (wie das Wasser zu privatisieren) oder durch den etwas übertriebenen Aktionismus von Parteichef Strolz auffielen. Bei den Landtagswahlen waren sie außer in Vorarlberg und Wien nicht sehr erfolgreich, aber das hindert sie nicht weiter, ihren Aktionismus und ihre zukunftsweisenden Ideen zu verfechten. Und zwischendurch gibt es Gedichte von Matthias Strolz oder Humor von Irmgard Griss.

Inhaltliches Profil

Das Bekenntnis zum radikalen Liberalismus. Alle Steuern werden abgeschafft, im liberalen Sinn werden auch gleich sämtliche Gesetze des Arbeitnehmerschutzes gestanzt, aber dafür kann jeder reich werden und alle sind lieb zu einander. Und Hauptsache lustig, jung und dynamisch, sowie schwer verkokst.

Die größten Persönlichkeiten

Seit der Bundespräsidentenwahl ist die Frage nach der größten Persönlichkeit bei den NEOS mit Irmgard Griss zu beantworten, eine Kandidatin voll Charme, übersprudelndem Humor sowie einer einwandfreien Vergangenheitsbetrachtung.

Das typische Basismitglied

Eine Business-Outfit tragende Powerfrau, die versucht, liberales Emanzentum und Sexappeal zu vereinen und trotzdem irgendwie nicht ganz ernst genommen wird, anders gesagt: Beate Meinl-Reisinger.