Ja, es ist wieder soweit. Nationalratswahlen stehen vor der Tür und da muss man sich ein wenig orientieren, was die Parteien so können, die man da vielleicht wählen soll. Und aus diesem Grund werde ich bis zur Wahl hier alle vorstellen.

Dieser Teil widmet sich dem Konstrukt, das der junge dynamische Außenminister ins Leben gerufen hat, namens Neue Volkspartei (kurz NVP). Dieses war einst die stolze, zuletzt aber nur noch in den Bundesländern imposante schwarze bürgerliche Partei, die Österreichische Volkspartei (kurz ÖVP). Der amtierende Parteichef Außenminister Kurz hat diese kurzerhand aufgelöst und stattdessen eine komplett auf ihn zugeschnittene inhaltslose Bewegung geschaffen, deren Hauptziel Sebastian Kurz heißt.

 

Geschichte

Ja, das ist schwer. Wo anfangen? Bei Gott? Bei Kaiser Franz Josef? Bei Karl Lueger? In der Selbsteinschätzung der Genannten gibt es übrigens wenig Unterschied, eine Tradition, die sich in der ÖVP übrigens gehalten hat. (Stichwort: Erwin Pröll, Wolfgang Sobotka, Sebastian Kurz).

Also, die ÖVP kommt aus dem konservativen Lager, das heißt, sie bezieht sich positiv auf alles, was war, und nicht ganz so positiv auf alles, was kommen sollte. Ursprünglich entstammte die christlichsoziale Bewegung dem Drang der katholischen Kirche, den aufstrebenden Sozialdemokraten Mitglieder zu entreißen. Mit Hilfe von katholischer Soziallehre und Antisemitismus gelang es dann, eine Partei zu etablieren, die vor allem im Kleinbürgertum und in der Bauernschaft ihre Anhänger hatte. Karl Lueger wurde mit seiner Volksnähe und seinem Antisemitismus sogar Wiener Bürgermeister, dabei hatte er nichts gegen Juden, einige seiner besten Freunde waren Juden, aber für den Pöbel boten sie sich als gutes Feindbild an. Die Christlichsozialen wurden in den meisten Bundesländern stärkste Kraft und stellten während der 1. Republik fast alle Bundeskanzler. Dann beschlossen sie sich der Demokratie und der Sozialdemokraten zu entledigen und gründeten die Vaterländische Front und den Ständestaat. Sozialdemokraten und Kommunisten wurden verboten und mit Hilfe von Kirche, Kapital und der Heimwehr (einer katholischen Schlägertruppe) für Ruhe und Ordnung gesorgt. Da sich die Vaterländische Front aber auch mit den Nazis anlegte, wurde von diesen geputscht, was unter anderem dazu führte, dass Bundeskanzler Dollfuß ums Leben kam. Sein Nachfolger Schuschnigg wollte mit den Nazis verhandeln, daraufhin ging der Ständestaat überhaupt krachen und Österreich wurde Bestandteil von Nazideutschland. Viele der Funktionäre der Vaterländischen Front landeten jetzt in Konzentrationslagern, andere passten sich bestens den herrschenden Verhältnissen an. Nach dem 2. Weltkrieg wurde dann die Österreichische Volkspartei gegründet. Die meisten von den Gründern waren ehemalige Funktionäre des Ständestaats, die jetzt aber von sich behaupteten, am besten zu wissen, wie Demokratie funktioniert. Nach einer kurzen Phase, in der die ÖVP sich als antikapitalistische Volkspartei präsentierte, hatte sie ein diffuses Mischprogramm aus Konservativismus und Liberalismus, aus sozialer Gerechtigkeit und freier Marktwirtschaft. Und diese Mischung haben sie heute noch. Die meisten Bundesländer (außer Wien, Kärnten und ab den 60ern auch das Burgenland) waren schwarz. Und gleich bei den Wahlen 1945 gewann die ÖVP auch bundesweit die absolute Mehrheit und stellte mit Leopold Figl den Bundeskanzler. Danach folgten bis 1970 mit Julius Raab, Alfons Gorbach und Josef Klaus noch 3 Bundeskanzler der ÖVP. Sie regierte bis 1947 mit SPÖ und KPÖ und dann bis 1966 mit einer sehr braven SPÖ. 1966 gelang der ÖVP erneut die Erringung der absoluten Mehrheit und sie stellte unter Kanzler Klaus eine Alleinregierung.  Die ÖVP war dabei zutiefst überzeugt, dass der Kanzler ein von Gott gegebener Anspruch sei, so war die Wahlniederlage von 1970 auch ein schwerer Schock, von dem sich die ÖVP bis heute (mit einer kleinen Ausnahme 2002) nicht mehr erholt hat. Seitdem hat sie eine Wahl nach der anderen verloren und konnte weder in Opposition noch als Juniorpartner der SPÖ überzeugen. Unter Wolfgang Schüssel stürzte sie sogar auf Platz 3 ab, was diesen aber nicht hinderte in Zusammenarbeit mit der rechten FPÖ den Bundeskanzler zu stellen (obwohl Schüssel noch kurz vorher den Gang in die Opposition für den Fall, dass die ÖVP auf Platz 3 fällt, angekündigt hatte). Diese Regierung glänzte durch Wirtschaftskompetenz (vor allem das Wirtschaften in die eigene Tasche) und dadurch, dass der damalige Bundeskanzler und zwei, drei andere Minister im Nachhinein offensichtlich die einzigen sind, hinter denen nicht die Staatsanwaltschaft wegen Korruption oder anderer Delikte her ist. (Bevor ich jetzt irgendwelche Klagen kriege, selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung, Herr Grasser!) Schüssel gelang es 2002 sogar, die ÖVP wieder auf Platz 1 zu bringen, aber danach verlor die sie zunächst Salzburg und die Steiermark an die SPÖ und schließlich die Nationalratswahlen. Danach ging sie als Juniorpartner in eine weitere große Koalition mit der SPÖ, wobei das Regierungsprogramm weitgehend von ihr gestaltet wurde. Obwohl sie seitdem eine Wahl nach der anderen verliert und in Wien dabei ist, zur Kleinstpartei zu werden, sitzen ihre Mitglieder weiterhin in mächtigen Positionen. Die Volkspartei regiert unangefochten Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich (trotz Abdankung des Gottkaisers Erwin Pröll) und hat sich sogar Salzburg und die Steiermark zurückverloren (also schlechtes Wahlergebnis, aber gute und willige Koalitionspartner). 2017 erschien schließlich gleich dem Messias der Außenminister Sebastian Kurz, der sich bereits als jüngster Staatssekretär und mit dem Geilomobil einen Namen gemacht hatte, übernahm die ÖVP und machte daraus seine neue Volkspartei

  Inhaltliches Profil

Das inhaltliche Profil der ÖVP war irgendwo zwischen liberal und konservativ, zwischen sozial und marktradikal, zwischen ökologisch und technologisch zu verorten. Also: „Schwule dürfen heiraten, wenn der Partner eine Frau ist.“ „Soziale Sicherheit für alle, wenn sie genug Geld haben“ und „Umweltschutz, wenn 100% bewiesen ist, dass die Umwelt in Gefahr ist.“ Heute lautet der Inhalt der NVP: „Sebastian Kurz“ und „Ausländer raus, aber menschlich.“ Kurz hat auch einmal gesagt: „Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen.“ Das erklärt Wolfgang Sobotka und Niederösterreichs Landeshauptfrau.

 

Die größten Persönlichkeiten

In der ÖVP/NVP ist das ja wohl recht simpel, es gibt nur eine Persönlichkeit, auf die sich eine christliche Partei berufen kann. Einen Mann, der herabgestiegen ist, um die Erde zu einem besseren Ort zu machen. Der Bescheidenheit, Güte, aber auch Strenge lebt und dem die Liebe aller Gläubigen gilt. Ich spreche vom Messias selbst: Sebastian Kurz.

 

Das typische Basismitglied

In der ÖVP/NVP gibt es drei typische Basismitglieder: Da ist einerseits der durchschnittliche Bauer vom Land (hier kann man den Unterschied zwischen Steirer, Salzburger, Tiroler, Vorarlberger, Nieder- oder Oberösterreicher nur am Dialekt erkennen). Seine Familie hat seit Generationen denselben Hof, seit Generationen gehört man der katholischen Kirche an und seit Generationen ist man bei der ÖVP (jetzt NVP). Jegliche Abweichung dieser uralten Ordnung wäre Hochverrat und würde vermutlich mit einem Ehrenmord enden. Alles Moderne ist dieser Art Mitglied ein Gräuel, außer wenn es um irgendwelche Kunstdünger geht, mit denen man zwar die Natur ruiniert, aber auch enorm viel Geld spart.

Das zweite typische Basismitglied der ÖVP/NVP ist der geschniegelte Unternehmer. Im Gegensatz zu Basismitglied 1 ist ihm Ideologisches relativ egal, Hauptsache, es lässt sich wirtschaftlich verwerten. Ob die Homoehe nun kommt oder Homosexualität verboten wird, ist ihm egal, wenn nur ein bisschen Profit dabei rausschaut. Daher ist auch nur eine soziale Gesetzgebung das einzige, wogegen er wirklich ist.

Schließlich haben wir noch den typischen ÖAABler, also Mitglied des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes, hierbei handelt es sich um einen Menschen, der zwar einerseits glaubt, dass im Kapitalismus jeder die Chance hat reich zu werden, deswegen ist er bei der ÖVP/NVP, aber erkennen muss, dass er selber offensichtlich zu blöd war, diese Chance zu nützen, deswegen ist er beim ÖAAB. Diese Person ist katholisch, verheiratet, hat ein Bewusstsein für soziales Unrecht, glaubt aber fest daran, dass Gott die Welt gerechter macht, wenn man nur lange genug bei der ÖVP/NVP ist.

Auch eine Parteijugend hat die ÖVP/NVP zu bieten. Wenn die Kinder von den erfolgreichen Eltern für das angestrebte Jus- oder BWL-Studium zu blöd sind (und bei BWL ist das eine Kunst), dann bietet sich immer noch eine Karriere in der Partei an. Und da kommt dann das typische JVP(Junge Volkspartei)-Mitglied heraus. Immer stylisch, immer im Anzug und immer mit saublöden Gesicht. Und wenn man dann lange lieb blöd schaut, wird man sogar Chef der Bewegung.