Österreich ist ein katholisches Land, insofern spielt auch Weihnachten bei uns eine große Rolle und wird von allen gefeiert, auch von denen die nicht ans Christkind glauben. Diese Tradition hat unser Land bereits massiv geprägt und mitgestaltet. Vieles könnte man hier zum Thema Weihnachten schreiben, aber dieser Artikel widmet sich doch speziell der politischen Herangehensweise an dieses Fest, wir nehmen dafür die wichtigsten Parteien aus dem Parlamentarischen und außerparlamentarischen Spektrum und betrachten deren Zugang zu Weihnachten:

SPÖ

Weihnachten ist die Zeit in der sich die Sozialdemokratie ihrer ursprünglichen Werte besinnt, also die kleinen Leute zu unterstützen. Auch wenn man wegen der ÖVP die Bedingungen für Hirten, die am Feld übernachten müssen oder für Tischler, die unter der Mindestverdienstgrenze bleiben und daher mit Familie im Stall übernachten müssen, nicht verbessern kann, so drückt man doch wenigstens seine Solidarität aus. Außerdem denkt man nach, ob nicht auch die Reichen ein bisschen Gold, Weihrauch und Myrrhe beitragen können, wenn man sie schon, wegen der ÖVP, nicht besteuern kann.  Schließlich gehört es zur jährlichen Erkenntnis, dass die SPÖ, wenn es die ÖVP nicht gäbe, die Wehrpflicht abschaffen könnte, Kranke heilen und Tote zum Leben erwecken. Darum erinnert uns Weihnachten auch alle Jahre wieder daran, dass wir nur unvollkommen sind, weil es die ÖVP gibt.

 

ÖVP

Als Partei mit christlicher Tradition legt die ÖVP natürlich sehr viel Wert auf das Feiern dieses Festes. Dazu ist die Geschichte von einem Kleinunternehmer (Tischler mit Werkstatt), der in Zeiten der Krise sich selbst heroisch das Essen vom Mund weg spart und freiwillig in einem Stall eine Herberge sucht, obwohl seine Frau hochschwanger ist und daher durchaus auf einen Mutterschutz Anspruch hätte. Zudem arbeitet der Mann, während die Frau ein Kind bekommt, also klassisches Familienbild und die Frau muss dafür nicht einmal Sex haben und dass die ÖVP ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität hat, beweisen  Maria Fekter, Johanna Mikl-Leitner und der Parteichef ja wohl schlagend. Ganz im Sinne der christlichen Nächstenliebe unterstützen die Schwarzen aber auch die Notleidenden der Finanzkrise, wie unverschuldet in Not geratene Börsenmakler, Manager oder Shareholder, die davor stehen, das vierte Wochenendhaus oder den 10. BMW zu verkaufen oder möglicherweise sogar Anteile ihrer Firma preisgeben zu müssen.

 

FPÖ

Aus Gründen der europäisch-deutschen Traditionspflege spielt Weihnachten für die Freiheitlichen eine große Rolle, wobei man sich durchaus fragt warum eigentlich? Denn was genau fängt diese Partei mit einem Paar zugereister Juden an, die auch noch obdachlos sind und ein uneheliches Asylantenkind werfen? Dazu kommen diese Hirten, die auf Grund ihrer Back-to-Nature-Philosophie vermutlich linkslinke Alternative sind, dann die Engel, die ihrer Kleidung nach zu schließen offensichtlich Gay-Mariage-Aktivisten sind und dann noch die Heiligen Drei Könige, zwei Araber und ein Neger. Wieder einmal steht die FPÖ vor einem schwierigen Widerspruch, den sie damit erklärt, dass sie von der großen Koalition und den linken Gutmenschen gemobbt wird.

 

GRÜNE

Weihnachten ist kein Fest für die Grünen. Erstens ist der Neugeborene ein Mann, zweitens entspringt er einem heterosexuellen Paar, drittens beten die Menschen mit Migrationshintergrund den weißen Mann an, was dem Multikulti-Gedanken widerspricht und außerdem ist Weihnachten ein christliches Fest und kränkt andere Kulturen.

 

TEAM STRONACH

Diese Partei braucht kein Weihnachten, sie hat Frank Stronach, welcher Gott, Jesus, Heiligen Geist, arme Hirten und drei Könige glänzend ersetzt und noch besser in den jeweiligen Rollen ist. Und wer was anderes sagt ist ein „Funktionär“ und „versteht nix von die Wirtschaft.“

 

NEOS

Als liberale Partei stehen die NEOS Weihnachten skeptisch gegenüber, immerhin stehen hier arme Menschen im Mittelpunkt, welche sozialer Unterstützung bedürfen und nicht Leistungsträger. Andererseits verkaufen die Leistungsträger niemals so viel Ramsch auf einmal wie zur Weihnacht, was Herren Haselsteiner sicher freut und deswegen ist Weihnachten durchaus ein liberales Fest.

BZÖ

Beim BZÖ fand sich folgender Brief ans Christkind: „Liebes Christkind Jörg! Bitte, bitte, bitte, bitte lass uns wieder ins Parlament. Dort war es so schön. Bitte lass uns wieder mitspielen!“

 

PIRATENPARTEI

Diese Partei kennt kein Weihnachten, damals gab es noch kein Internet.


KPÖ

Für die Kommunisten ist die Geburt Christi per se kein Grund zum Feiern, allerdings wurde hier immerhin der Sohn eines Proletariers geboren, was bis auf ein paar ganz radikale Hackler (Hirten) und drei Intellektuelle aus der Oberschicht (drei Könige), die vorbildlich eine Reichensteuer (Gold, Weihrauch, Myrrhe) abgeben, keinen interessiert. Und genau dieses Gefühl, dass sich keine Sau für einen interessiert, das können die Kommunisten dem Jesu Kind nachempfinden. Um ihrer atheistischen Tradition nicht entgegen zu wirken, wird statt Weihnachten, ein Jahresendzeitfest gefeiert und auf den Jahresendzeitbaum kommt eine Jahresendzeitflügelfigur. So schafft auch die KPÖ den Spagat zwischen ihren atheistischen Verpflichtung und den Freuden am Christkind.