Was ich hier schreibe sind Zeilen eines Katzenbesitzers. Wenn sie keine Katzen haben oder gar eine Abneigung gegen diese Tiere sollten sie diesen Beitrag vielleicht besser nicht lesen, denn er ist eindeutig etwas für Kenner und Liebhaber.

 

 

 

Also alles begann mit der wahnsinnigen Idee meines Mitbewohners, dass wir in unsere Wohngemeinschaft nicht nur zweibeinige sondern auch vierbeinige Wesen aufnehmen sollten. Ich war skeptisch, meinte aber wenn dann müsste es eine Katze sein. Hatte ich doch einen schwarzen grantigen Kater bei meinen Eltern zurück gelassen, den ich immer sehr gern hatte. (Mittlerweile ist er von uns gegangen, Rest in Peace alter Grantscherm, ich hatte viel schöne Zeiten mit dir). Also eine Katze, das war meine Bedingung, auf die eingegangen wurde. Wir recherchierten also im Internet, wo wir eine Katze finden könnten, die unseren Ansprüchen entsprach und mussten feststellen, dass es viel eher darum ging, ob wir den Ansprüchen der Katze entsprachen. Die ganzen Tierheime konnten wir vergessen. Dort wurden nur Psychokatzen angeboten, die alle schwere Probleme mit Menschen hatten, aber gleichzeitig von uns verlangten, dass wir je ihrer zwei zu nehmen und die Wohnung zu ihrer vollsten Zufriedenheit einzurichten hätten. Das ließen uns die Vierbeiner über ihre Tierheime ausrichten. Die Einrichtung einer Wohnlichkeit für die Katzen hätte uns beide (ein Künstler und ein geringfügig beschäftigter Kellner) in den sicheren Privatkonkurs getrieben, also sahen wir weiter und fanden dann ein Katzengeschwisterpaar, dessen Besitzer (oder Leibeigene) drauf gekommen waren, dass sie eine Katzenallergie hatten. Also beschlossen wir die beiden bei uns aufzunehmen. Mein Mitbewohner hat sie abgeholt, ich war bei irgendeiner Probe und als ich zurück kam, saß unter dem Küchenkastl ein komplett verschreckter dichtbehaarter Kater und glotzte mich mit riesigen panikerfüllten Augen an. Ganz hinten im Abstellkammerl saß eine Katze, mit etwas weniger Haaren und auch etwas weniger Panik. Sie hatte sich von vorn herein einen Platz gesucht, wo sie keiner erwischen konnte und fühlte sich dort sehr wohl. Ich erfuhr, dass es sich dabei um den Kater Illios und die Katze Athina handelte. Beide stammten aus Niederösterreich, beider Mutter war eine stolze Hauskatze, beider Vater ein waschechter norwegischer Waldkater. Illios sieht man das auch an, er ist schon ganz schön behaart. Und er hat diesen, den norwegischen Waldkatzen eigenen Blick, also riesige Augen, die immer sehr verdutzt drein schauen. Es wirkt immer ein bisschen so, wie wenn dieser Kater absolut fassungslos wäre. Wir haben also die beiden in Ruhe gelassen, damit sie sich an die Wohnung gewöhnen konnten und gingen schlafen. Kaum waren wir in Bett ging es auch schon los, es rumpelte, polterte, Wäscheständer wurden umgeworfen, Sachen von den Regalen gefegt, ich wachte mitten in der Nacht auf, weil ich das Gefühl hatte angeglotzt zu werden. Das stimmte auch, neben meinem Bett stand Illios und glotzte mich fassungslos an, nur um dann die Panik zu kriegen, weil ich erwacht war. Und dann hat dieser Kater noch eine interessante Eigenheit und zwar den Vollmond anzujaulen. Machen normalerweise nur Hunde, dieser Kater macht das auch. Und genau diese Nacht war Vollmond.

 

Nach dieser Nacht des Wahnsinns wachten wir auf. Die Wohnung war verwüstet, auf das Bett meines Mitbewohners hatten die Katzen ihr Geschäft verrichtet und die Katzen selber saßen wieder verborgen in irgendwelchen Winkeln der Wohnung. Es sollte noch ein Woche dauern, bis wir es schafften uns mit den Katzen anzufreunden. Zunächst taute Athina auf, die auch als erste den Mut hatte, die Wohnung zu erkunden. So hatten wir es bald geschafft, ihr mit Bestechungen wie Leckerlis und Wurst nahe zu kommen und Madame ließ es gnädig zu, dass man sie auch schon mal streicheln durfte. Sie schon, Illios zog es vor im Verborgenen zu bleiben, sich anzuschleichen und wenn man ihn entdeckte panisch davon zu rennen und dabei so ein lustiges scharrendes Geräusch am Holzboden zu machen. Erst nach einiger Zeit konnten wir auch an ihn ran, was wiederum ihr nicht gefiel. Athina war nämlich mittlerweile der Meinung, dass sie die einzige Katze sei, um die man sich zu kümmern habe. Und als wir nun auch Illios streichelten, wurde sie fuchsteufelswild pflanzte sich vor uns auf und fauchte uns böse an. Dann setzte sie sich auf unsere Betten und erlaubte uns nicht mehr, ins Bett zu gehen, sprich wenn sich jemand näherte fauchte sie aufs Übelste. Sie hat daher auch den Beinamen „Psychokatze“ bekommen. Auch als diese Phase vorbei war, hat sie sich etwas Grusliges behalten, so pflegt sie in der Nacht an ein Bett zu treten und die darin liegende Person anzuglotzen. Wenn man erwacht und in die Katzenaugen schaut, die einen starr betrachten, kann einem schon anders werden. Vor allem bei Gästen macht sie das sehr gern.

 

Also ich hatte mich zuerst mit der Katze angefreundet, mit dem Kater brauchte es noch seine Zeit. Er musste zu dieser Zeit ein Medikament nehmen, so eine ekelhafte Paste, die er verabscheute, also mussten ihn immer 2 Leute schnappen, einer hielt ihn der andere schob ihm die Tube ins Maul und drückte zu, überall hat er das Zeug im Fell picken gehabt und irgendwie mochte ihn am Anfang niemand. Das änderte sich erst, als er sich entschloss am  Fensterbrett entlang zu spazieren und dabei 2 Stockwerke in die Tiefe zu stürzen. Ich fand das arme Geschöpf dann mit blutigem Schnäuzchen, gebrochener Zehe und kläglich miauend auf einem Fensterbrett sitzend und dem Moment hatte er meine Sympathie vollends bekommen. Wir brachten ihn zum Tierarzt, wo er wieder halbwegs aufgepäppelt wurde und einen kleinen blauen Gips bekam. Die Nacht verbrachte er in meinem Bett, wo er die ganze Zeit schnurrend herum lag. Seit dieser Zeit verbindet den Kater und mich eine innige Freundschaft. Seine Schwester war übrigens weniger begeistert, dass wir den verletzten Bruder zurück brachten. Ihr wütendes Fauchen deutete klar an, dass wir das verkrüppelte Geschöpf am besten auf der Straße gelassen hätten, aber mit der Zeit hat sie ihrem Bruder verziehen, dass er sich aus dem Fenster gestürzt hat. Was ihn auf die glorreiche Idee brachte, es ein zweites Mal zu tun, diesmal auf der Hofseite. Dort hat er sich dann einen Haxen gebrochen, musste erneut zum Tierarzt, bekam eine riesige Plastikschiene und verbrachte die Nacht wieder in meinem Bett. Obwohl dieses ein Stockbett war, hat sich der schwer verletzte Kater hinauf geschleppt und auf meinem Polster Platz genommen. Dort lag er schnurrend, als ich ins Bett wollte und sah es nicht ein, dass er der schwer Verletzte jetzt für mich den Polster verlassen sollte. Ich hab ihm dann auf dem Holzboden neben meinem Lattenrost ein kleines Lager eingerichtet aus allen überzähligen Decken und hab ihn sanft auf das Lager gelegt. Da ist er beleidigt aufgestanden und hat sich aufs harte Holz gelegt um mir zu zeigen, wie gemein ich bin.

 

Er hat sich auch vom 2. Sturz erholt und jagte schon bald wieder fröhlich durch die Wohnung. Aber wann immer er jetzt irgendein Problem hat, kommt er zu mir und maunzt mich so lang an, bis ich etwas tue. Das Leibeigenschaftsverhältnis hat er also bereits perfektioniert. Athina hat sich inzwischen meinen Mitbewohner dressiert. Das hindert sie aber auch nicht, da und dort auch von mir etwas zu verlangen. Allerdings kann Illios länger miauen und dadurch auf seine Problemlage aufmerksam machen. Und sein Miauen ist so ein längliches Hohes, das kann man nicht ignorieren.

 

Athina ist eine leidenschaftliche Jägerin, in der Stadtwohnung werden halt dann meistens Fliegen gejagt. Aber diese schnattert sie mit delfinähnlichen Geräuschen an, springt dann 1 Meter in die Luft und schnappt sich die Viecher. Illios ist nicht so der Jäger, der schaut lieber zu, wie Athina jagt oder wie irgendjemand auf und ab rennt, um ihn zu unterhalten. Auch stehlen kann Athina gut. Einmal gab es bei uns Backhuhn. Wir aßen ohne uns was zu denken, plötzlich kam sie angeschossen, schnappte einen Knochen und rannte weg. Wir wollten ihr diesen wieder wegnehmen, weil man ja doch hört, dass Hühnerknochen nicht so gesund sein sollen. Na da hätten Sie sie aber sehen sollen, die hat geknurrt wie ein Hund und uns nicht in ihre Nähe gelassen.

 

 Einige Zeit später besorgten wir einen 5 Kilo-Sack mit Trockenfutter. Da ich keinen Platz fand stellte ich diesen unter der Therme ab. Da ist Athina hingegangen und hat ein Loch hinein geknabbert um sich eine kleine Snackstation einzurichten. Und da ist sie also so ein/zwei Mal pro Stunde hingegangen und hat Trockenfutter heraus gefressen und aus diesem Grund hat sie in der Zeit auch ein bisschen an Gewicht zugelegt. Bis wir dann den Sack irgendwo verstaut haben. Illios hat das nicht getan. Überhaupt ist der Herr sehr heikel beim Essen. Nur Extrawurst liebt er heiß. Und die frisst er auch mit Leidenschaft. Nur einmal ist ihm eine am Kopf gefallen, da hat er dann eine Zeit keine Extrawurst gegessen, weil er sich davor gefürchtet hat.

 

Beschäftigen tun sich die beiden auch gern miteinander. Das spielt sich so ab, dass einer den anderen ableckt dann hauen sie sich gegenseitig mit den Pfoten am Kopf und Athina faucht böse. Dann rennen sie sich in der Wohnung herum und jagen einander. Manchmal springt Illios auf Athina drauf und beißt ihr einen Teil vom Fell raus, was sie mit unglaublichen Gequieke kommentiert. Dann schaut Illios absolut fassungslos, als ob er keine Ahnung hätte, dass das weh tut. Wenn sie das mitten in der Nacht tun, dann kann das auch schon mal ein bisschen mühsam sein. Mühsam ist auch, dass Athina generell alle Frauen, die mir nahe stehen, egal ob Freundin oder Mutter, nicht leiden kann. Sie ist offensichtlich der Meinung, ich dürfe nur eine Frau haben und das ist sie. Sie aber lässt sich von Jedem streicheln, der herein kommt, die kleine Schlampe. Aber andererseits hat man ja auch viel Freude mit ihnen. So sind Katzen halt. Ich könnte noch hundert andere Geschichten erzählen, aber wer Katzen hat, weiß ja eh, was sich mit diesen Tieren so abspielt und wer nicht, sollte sich vielleicht welche zulegen, um es heraus zu finden.