Da drängt sich doch zunächst eine Definition des Wortes Liberal auf. Es hat mit dem lateinischen Wort „Libertas“ oder dem französischen Wort „Liberté“ zu tun, welches in unserer Sprache „Freiheit“ bedeutet. Und da sind wir natürlich schon beim Grundproblem, denn vor diesem Begriff fürchtet sich der kleine Österreicher und natürlich auch die kleine Österreicherin. Freiheit ist für die beiden eine Urgewalt, die genau wie eine Lawine ins Tal donnert und dabei über alles hinwegfährt und mit Lawinen kennen sich die kleinen Österreicherinnen und Österreicher aus, weil sie alle gern Ski fahren oder zumindest dabei zuschauen, wie andere Ski fahren. Und aus dieser Erfahrung wissen sie, Lawinen und Freiheit sind gefährlich. Nun kann man Lawinen einschränken, indem man ihnen beispielsweise einen Wald entgegen pflanzt, nur was tun gegen die Freiheit? Da hilft nur eine österreichische Verniedlichung und weil Freiheiterl in bissi gar blöd klingt, hängt man das schöne „lich“ dran und schon ist die Freiheit „freiheitlich“ und damit ungefährlich.

 

 

Nun beinhaltet der Grundfreiheitsbegriff der Liberalen, das Recht auf Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit und vor allem das Recht auf Eigentum. Und das ist bei den Liberalen auch immer so, Eigentumsrecht schlägt Persönlichkeitsrecht. Letztlich heißt das, Recht auf die Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit nur, wenn du auch was hast, auf Deutsch: „Wer Geld hat, darf den Geist entfalten, wer nicht, der sollt die Goschen halten.“

Ist Strohnach demnach ein liberaler? Ich weiß nicht, ob es opportun ist, Strohnach als irgendetwas zu bezeichnen, außer als Strohnach. Ein Populist ist zudem selten als liberal zu klassifizieren. Also wer sind in Österreich die Liberalen?

In der Kaiserzeit waren sie diejenigen, die zwar in Opposition zur Monarchie standen, sich aber trotzdem gegen das allgemeine Wahlrecht aussprachen, denn liberale Politik ist schließlich nicht für jeden da. Damit haben die Liberalen gleichmal dafür gesorgt, dass sie keiner mag, die Konservative Elite sah in ihnen Revolutionäre und Unruhestifter, die Leute aus dem gemeinen Volk wieder einen Teil der Elite. Bis auf ein paar eher unpolitische Bürgerliche hatten die Liberalen daher keine Anhänger, weshalb sie in der 1. Republik zur Splittergruppe verkamen, die bald in der Bedeutungslosigkeit versanken.

Die restlichen Liberalen wuselten bei den Deutschnationalen Parteien herum und lernten bald Antisemitismus und autoritäres Gedankengut als liberale Grundwerte zu akzeptieren, eine besondere österreichische Spielart des Liberalismus. Diese liberalen Grundwerte führten auch dazu, dass sich die wenigen Liberalen, die im Widerstand gegen Dollfuß und Schuschnigg kämpften dabei sehr den Positionen der illegalen NSDAP näherten. In Folge gab es so etwas wie einen liberalen Widerstand in Österreich gegen das NS-Regime fast gar nicht.

Nach dem Krieg fanden die Liberalen auch kein eigenes Lager, denn es gab nur Konservative, Sozialisten und Kommunisten. Also verbündeten sie sich mit den ehemaligen Nazis und bastelten mit ihnen einen Verband der Unabhängigen. Die Ex-Nazis benützten die Liberalen als nützliches Feigenblatt, bauten hinter ihrem Rücken eine stramme deutschnationale Organisation auf und entledigten sich ihrer schließlich, als die Alliierten wieder abzogen und es nicht mehr nötig war sich zu verstecken. Aus dem VdU wurde die Freiheitliche Partei Österreichs. Und Liberale wurden nur mehr zum Herzeigen gehalten. Doch dann kam 1980 Norbert Steger und verwandelte die FPÖ in eine liberale Partei. Und dass sie liberal war das glaubte er sogar, aber da war er im Grunde der einzige, vielleicht noch Friedhelm Frischenschlager, der aber trotzdem auch zu alten Nazikriegsverbrechern nett war und noch ein paar andere, die aber im Grunde auch immer ein bissi national blieben. 1986 endete der Versuch die FPÖ liberal zu machen. Haider putschte Steger weg und machte die FPÖ wieder schön national, wie man sie kannte. Steger hat sich von dem Schock bis heute nicht erholt, deshalb glaubt er noch immer, dass die FPÖ eine liberale Partei ist, aber da ist er der einzige. Aber man sollte ihm die Illusion lassen, sie macht ihn glücklich.

Die restlichen Liberalen versuchten es 1993 mit einer eigenen Partei dem Liberalen Forum. Wenn man diese Partei oberflächlich betrachtete, dann konnte man eigentlich überhaupt keinen Unterschied zu den Grünen feststellen und wenn man dann etwas genauer hinschaute, kam man drauf, dass die Liberalen etwas stylischer gekleidet waren, aber sonst gab es da nicht wirklich einen Unterschied. Political Correctness,  Drogenlegalisierung und intellektuelle Überheblichkeit konnte man nun wirklich bei den Grünen auch haben und als die dann auch lernten sich anzuziehen war das Liberale Forum eher überflüssig. Seit 1999 sind sie nicht mehr im Parlament und Heide Schmidt die geläuterte Blaue zog sich zurück. Sie hat es dann 2008 noch einmal probiert, aber noch immer konnte man den Unterschied zwischen LIF und Grün nicht erkennen und so scheiterte das LIF wieder einmal. Vielleicht war es keine gute Idee den Wahlausgang am Badeschiff abzuwarten, da war es doch vorhersehbar, dass das LIF baden gehen würde.

Und der Liberalismus? Da gab es so eine Gruppe Wirtschaftsliberaler die es weiter in der FPÖ versuchten. Sie verstanden liberal mehr im Sinne von „Jeder ist seines Glückes Schmied“ und hielten sich auch daran in dem sie für ihr Glück einsteckten was sie fanden. Diese Partie wurde jedoch von den Hardcorenaz… äh Deutschnationalen gestürzt und ein paar versuchten es mit einer neuen Partei dem Bündnis Zukunft Österreich. Und Chef wurde ausgerechnet der Stegerstürzer Haider. Und als dieser schwer alkoholisiert in den Tod raste, verkam das BZÖ zum Haidergedenkverein und der einzige der es heute für eine wirkliche liberale Partei hält ist wohl Josef Bucher. Da könnte er sich mit Steger zusammentun und ein Buch schreiben wie das ist, wenn man in einer Partei etwas sieht, was definitiv nicht drin ist.

Dann gibt es noch Versuche wie die Jungen Liberalen oder die NEOS, welche sich allesamt als liberal bezeichnen, aber auf breites Interesse stößt das kaum. Neue Parteien haben naturgemäß nur eine Chance, wenn die Kronenzeitung sie unterstützt oder sehr viel Geld vorhanden ist. Vorderhand müssen wir wohl auf den Liberalismus verzichten oder uns einreden, dass die FPÖ eh die Partei des Liberalismus ist.